Das Schwere Rüstfahrzeug ist im Technischen Einsatz das Zugpferd der Feuerwehr. Bei jedem Technischen Einsatz ausrückend führt es eine große Anzahl an Rettungsmitteln, Einsatzgeräten und Werkzeugen mit, sowohl für zB. Verkehrsunfälle oder Wohnungsöffnungen, als auch für Einsätze mit gefährlichen Stoffen. Für den Einsatz bei Verkehrsunfällen führt das SRF ein schweres hydraulisches Rettungsgerät - bestehend aus Spreizer, Schere und Rettungszylinder - mit. Zudem ergänzen ein Geräteablageplatz-System und Boxen mit diversem Spezialmaterial für derartige Einsätze das Spektrum zur schnellen Hilfeleistung. Ein Highlight des 2016 angeschafften Fahrzeugs ist sicherlich der Ladekran.

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Rollender 26 Tonnen Werkzeugkasten auf Rädern

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Traun, in der fünftgrößten Stadt Oberösterreichs mit rund 26.000 Einwohnern, wird zu durchschnittlich 400 Einsätzen pro Jahr gerufen. Ein wesentlicher Schwerpunkt des üblichen Einsatzspektrums ist hier vor allem auch der technische Bereich. Im Zuge des notwendig gewordenen Fahrzeugtausches wurde ein Drei-Achs-SRF mit einem leistungsfähigen Ladekran konzipiert, das die speziellen Anforderungen perfekt erfüllt.

Traun – Dicht besiedelte Stadt mit reichlich Gefahrenpotential

Nicht zuletzt bedingt durch die vielen Verkehrswege (Autobahnzubringer zur A1 und A7, unmittelbare Nähe zum Flughafen Linz-Hörsching, Eisenbahnstrecken mit Tunneln, Straßenbahn nach Linz) ist vor allem das technische Einsatzspektrum sehr durchwachsen, da aus dem Straßenverkehr ein entsprechendes Einsatzaufkommen entsteht. Aber auch unzählige Risikoobjekte – vom Chemiebetrieb bis zur Papierherstellung – bergen etliche Gefahrenquellen.

Zwölf Einsatzfahrzeuge in zwei Löschzügen und einem Technischen Zug bilden den Trauner Fuhrpark im erst 2015 neu eröffneten hochmodernen Einsatzzentrum. Das 1991 in Dienst gestellte Schwere Rüstfahrzeug hatte nach 25 Dienstjahren bereits unzählige Einsätze begleitet, stieß jedoch immer wieder an seine Grenzen, speziell auch im Bereich des Ladekranes.

Häufig in das Einsatzspektrum fallen Alarmierungen zu Unfällen oder Ereignissen auf den dichten Verkehrswegen im Trauner Stadtgebiet. Etliche Betriebe mit dichtem LKW-Verkehr und auch sehr vielen Containersattelzügen im Verkehr, das Eisenbahnnetz durch Traun mit zwei Tunneln, Gefahrgut im Straßenverkehr, die sehr unfallträchtige Kreuzung der B1 und B139 und seit dem Jahr 2016 auch die Straßenbahnanbindung nach Linz bergen sehr hohes Gefahrenpotential. Daher ist es unbedingt notwendig, mit einem leistungsfähigen Kran auch Hubarbeiten durchzuführen, etwa das Heben der Wasserfahrzeuge in den durch Traun fließenden gleichnamigen Traunfluss.

Aus umfangreicher Planung wird ein MAN Drei-Achser

Daher starteten umfassende Vorbereitungs- und Planungsarbeiten für einen Fahrzeugtausch. Basis dafür waren letztlich vor allem Überlegungen, welche Bedürfnisse und Erfordernisse aus der Praxis heraus dem Fahrzeug abverlangt werden. Eine durchdachte Geräteabstimmung auf den täglichen Einsatzalltag, in Kombination mit einer auf den Einsatz abgestimmten Gerätelagerung im Fahrzeug. So mancherlei nur sehr selten genutzte Geräte wurden ins Lager verfrachtet, andere wiederum schon oft benötigte Gerätschaften, die vorher aus Platzgründen nicht angeschafft werden konnten, wurden nun mitbedacht. Speziell diese praktischen Überlegungen - der oftmals zitierte Unterschied zwischen „must have" und „nice to have" – fließen in Traun in jede Fahrzeugbeschaffung ein und zeichnen unseren Fuhrpark dafür aus, äußerst effizient und durchdacht abgestimmt zu sein.

Die moderne Feuerwehrtechnik bietet nunmehr auch viele Vorzüge, die vor 25 Jahren noch nicht bestanden. Beispielsweise flexible Lichtquellen, Schnellangriffseinrichtungen für Strom oder Druckluft – damals Wunschgedanken, heute Standard... Auch die Fahrzeugtechnik besticht durch neue Technologien – sehr hohe Wendigkeit speziell im Stadtgebiet oder leichte Materialien bieten völlig neue Wege.

Die EU-weite Ausschreibung erfolgte schließlich im Jahr 2015. Nach einer eingehenden Evaluation aller Angebote in enger Kooperation auch mit der Stadtgemeinde Traun wurde schließlich die Firma Rosenbauer als Bestbieter ausgewählt. Ein MAN-Chassis TGS 28.440 6x4-4 BL mit einer Motorleistung von 324 kW/440 PS bei 2100 U/min, EURO 5 und 3.900mm Radstand bildet die Grundlage des SRF Traun. Mit 8,7 Metern Fahrzeuglänge und 3,9 Metern Fahrzeughöhe sowie 26 Tonnen Gesamtgewicht ist das SRF durchaus ein stattlicher Brummer, bleibt aber vor allem aufgrund einer gelenkten Nachlaufachse äußerst wendig und flexibel, auch in den vielen engen Gassen unserer Stadt.

PKW's, Kleintransporter und LKW's der heutigen Zeit werden teils immer größer und schwerer und beinhalten noch mehr Technologien und Systeme und bedürfen daher auch neuer Rettungstechniken und Bergemöglichkeiten. So auch in Bezug auf die Straßenbahn, welche seit 2016 von Linz nach Traun fährt. Neuer Arbeitsstandard für Fahrzeugbergungen und Verkehrsunfälle sind ein Palfinger Kran und die Seilwinde mit 8 Tonnen Zugkraft von Rotzler (TR080 mit 80kN Zugkraft über die gesamte Länge mit 2 wählbaren Geschwindigkeitsstufen).

Die Drei-Mann-Kabine (Besatzung 1:2) ist schlicht und bedacht ausgestattet worden, neben technischen und elektronischen Unterstützungssystemen wie etwa auch einer Rückfahrkamera findet der Maschinist einen technisch hochwertigen, aber zugleich praktischen Arbeitsplatz vor. Der 40kVA Einbaugenerator von GTS, die hochsichtbaren LED-Blaulichtblitzer und Martinshorn oder etwa ein ausziehbarer Schraubstock runden das Fahrzeugkonzept ab.

Ladekran als Highlight des Fahrzeugs

Das SRF wird durch vier hydraulische Abstützungen mit einer Abstützbreite von maximal 7,4 Metern in Stellung gebracht. Der Palfinger PK 40002 EH Kran kann durch acht hydraulische Ausschübe mit seiner Ausladung in 10 Metern 2.800kg heben, in 21 Metern noch stolze 1.100 kg. Eine verfügbare Kranseilwinde bietet eine Hubkraft von 2,5 Tonnen. Funkferngesteuert wird der Kran vom Maschinisten, der sich so mit seinem Bedienelement ideal rund um das Fahrzeug bewegen kann und nicht mehr an eine schlechte Sichtposition am Fahrzeugheck gebunden ist. So lassen sich auch aus weiter entfernten Radien beispielweise Güter wie etwa aufgebrochene Tresore bergen, ein in den letzten Jahren leider immer häufiger werdender Einsatzgrund.

Mit dem parallel angeschafften passenden Arbeitskorb bietet sich auch ein ideales Einsatzspektrum etwa in der Aufarbeitung von Sturmschäden, die in den letzten Jahren im Zuge von Unwettern ebenso stark ansteigen. Wesentliches Zubehör für den Kran sind etliche auf die Einsatzarten abgestimmte Hebebänder, Bandschlingen, Schäkel und Kettengehänge, die allesamt im Heck des Fahrzeugs gelagert sind. Am Dach befindet sich ein spezielles Kran-Gehängesystem, mit dem ein PKW einfach und beschädigungsfrei verlagert werden kann.

Um überhaupt die zB. elektrischen Geräte an der Einsatzstelle mobil betreiben zu können, wurden beidseitig in je einem Geräteraum Schnellangriffs-Verteiler eingebaut. Ähnlich einer Kabeltrommel 30 Meter ausziehbar und selbstrückspulend bieten diese eine Strom-Bereitstellung für alle Eventualitäten, vorwegs bei der Rettung von eingeklemmten Personen nach Verkehrsunfällen. Eine 30 Meter lange selbstrückspulende Luft-Schlauchhaspel versorgt aus dem eingebauten Druckluftkompressor die Geräte wie etwa ein Plasmaschneidgerät.

Für jede Situation das passende Gerät

Um etwa bei Verkehrsunfällen sehr rasch und flexibel auf alle Anforderungen reagieren zu können, wird ein mobiles Hydraulikaggregat (700 bar) mit Spreizer und Schere sowie mehreren Rettungsylindern der Fa. Weber mitgeführt. Für LKW-Unfälle bzw. zur besseren Unterstützung des Rettungsdienstes wurden zwei einfach handzuhabende Rettungsplattformen auf das Fahrzeug verlastet, zur Sicherung und Stabilisierung verunfallter Fahrzeuge werden zwei Varianten des „Stabfast" sowie weiteres Sicherungszubehör mitgeführt.

Sollte es einmal zu schwierigen Rettungsaktionen kommen, stehen neben den üblichen Trenn- und Schneidgeräten eine Säbelsäge und auch ein Plasmaschneidgerät zur Verfügung, erfordern aber natürlich auch eine entsprechende Ausbildung. Für Hebearbeiten werden verschiedenste Arten von Hebekissen – von klein bis groß – mitgeführt. Ist ein Einsatz beendet oder kommt es zu entsprechenden Verunreinigungen, wurde auch in dieses Fahrzeug ein Hygiene-Board eingebaut, welches seitlich als Auszug im Geräteraum eingepasst ist. Somit kann schon an der Einsatzstelle eine Grundreinigung oder Desinfektion erfolgen.

Sämtliche Geräte und Kranzubehör sind systematisch im Fahrzeug zusammengefasst, somit entfällt die umfangreiche Entnahme aus allen Räumen bei der schieren Vielzahl an Geräten auf Rüstfahrzeugen, wo zB. Geräte für einen Verkehrsunfall in mehreren Geräteräumen verstreut waren. Für ausreichend Beleuchtung in jeder Situation sorgt einerseits eine auf allen Fahrzeugseiten angebrachte leistungsstarke LED-Umfeldbeleuchtung mit zehn Scheinwerfern, andererseits ein pneumatisch ausfahrbarer LED-Flutlichtmast mit acht 42W Scheinwerfern am Dach. Im Beleuchtungskonzept integriert ist auch eine dreiseitige Unterflurbeleuchtung sowie LED-Verkehrsleiteinrichtung am Heck des Fahrzeugs, um auch auf vielbefahrenen Straßen wie der B 1 sichtbar zu bleiben.

ABI Oskar Reitberger jun., Kommandant der FF Traun zeigt sich erfreut über das neue Fahrzeug: „Unser neues SRF ist eine perfekte Nachfolge des 25 Jahre alten Fahrzeugs. Wir erhoffen uns durch diese neue Fahrzeug- und Gerätetechnik, auch für die nächsten Jahrzehnte ideal auf die neuen Erfordernisse, etwa Fahrzeugtechnologien und neue Materialien, bestens gerüstet zu sein. Speziell der hochmoderne und leistungsfähige Ladekran bietet uns völlig neue und erweiterte Möglichkeiten im Einsatzspektrum als auch bei dessen Bedienung und Handhabung."

Die Indienststellung erfolgte im fliegenden Wechsel, schon ab dem ersten Tag der Fahrzeuglieferung wurden Maschinisten und Mannschaft intensiv am neuen Fahrzeug und Gerät ausgebildet, wodurch eine sofortige Einsatzbereitschaft gegeben war.

Technische Daten

  • Taktische Bezeichnung: Schweres Rüstfahrzeug SRF
  • Type / Fahrgestell: MAN TGS 6x4-4 BL
  • Baujahr: 2016
  • Radstand: 3900 mm
  • PS-Leistung: 324 PS / 440 KW
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 26.000 kg
  • Aufbauhersteller: Fa. Rosenbauer
  • Besatzung: 1 + 2

Ausstattung

  • Ladekran Palfinger PK 40002 EH mit Kranseilwinde
  • Seilwinde TR080 Zweigang (8t)
  • Einbauegenerator GTS 40 kVA
  • Hydraulisches Rettungsgerät
  • Umfeldbeleuchtung & Lichtmast in LED-Ausführung